00:00:00: Roter Operettenputsch.
00:00:03: Warum eine bislang unauffällige Rote Staatssekretärin ihren niederösterreichischen Parteichef stürzen wollte, erzähle ich Ihnen in diesem Podcast außerdem welche Rolle SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler dabei spielte und was von der drei Tage nach startabgesagten Revolte nachhaltig bleibt.
00:00:24: Andreas Babeler nutzte diesen Mittwocht die Dienstreise des Kanzlers nach Indien um auf Facebook vor seiner Fangemeinde zu punkten.
00:00:32: Heute habe ich im Ministerrat den Bundeskanzler in seiner Funktion vertreten.
00:00:37: Postete der rote Vizekanzler, samtbild in Chefbose mit dem Handy am Ohr am Ministerrats-Tisch sitzend.
00:00:44: Während in der SPÖ das jüngste Selbstzerfleischungsdrama ins Finale ging, suchte der Rote Parteichef mit einer Routineangelegenheit von sich reden zu machen.
00:00:54: Denn wie in den Tagen zuvor waren an diesem Mittwoch bereits seit aller Herrgottsfrühe die Telefone heiß gelaufen!
00:01:02: SPÖ-Spitzenfunktionäre quer durchs Land versuchten, die Neuauflage eines Duelles um den Parteivorsitz diesmal auf niederösterreichischem Boden mit allen Mitteln noch zu verhindern.
00:01:14: Für Mittwochnachmittag war deswegen auch eine einschlägige Sitzung in St.
00:01:18: Pölten angesagt.
00:01:20: Just als sich Babler auf Facebook im Kanzlerpose inszenierte, meldeten rote Granden unweit des Ballhausplatz diesen Mittwochnittag brandaus in der SPÖ.
00:01:31: Ulrike Königsberger Ludwig, öffentlich bislang weitgehend unauffällige Staatssekretärin für Gesundheit, Tier- und Konsumentenschutz hat es so eben intern wissen lassen.
00:01:42: Sie werde in der nachmittiglichen Parteisitzung und danach auch öffentlich ihre Ansage zurückziehen – am roten niederösterreichischen Parteitag Ende Mai den amtierenden SPÖ-Chef und Bablergegner Sven Hergerowich als Parteichef stürzen zu wollen!
00:02:00: Noch Anfang der Woche war in der SPÖ kollektiver Flashback angesagt.
00:02:04: Für das nach wie vor große Lager, der Kritiker und Gegner von SPÖ-Bundesparteichef Andreas Babler stand bald zweifelsfrei fest.
00:02:13: Das ist der Uli nicht allein eingefallen – das ist ein primitives Faul und eine billige Racheaktion von Andy Babler.
00:02:20: Analysierte einer der führenden Köpfe des Anti-Babler-Lagers in der SPDÖ und gab die Parole aus Wir werden alles tun, dass das zu einem Eigentor für Babler und seine Partie wird.
00:02:33: Das Diktum einer Retourkutsche ist wohl begründet – in der SPÖ gelten Herr Govich und sein engster Vertrauter Niederösterreich-Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander als die maßgeblichen Regisseure der ein letzter Sekunde abgeblasenen Gegenkandidatur von Christian Kern am jüngsten SPÖ Bundesparteitag.
00:02:55: Hätte Kern in den ersten Märztagen nicht nach einem Gespräch mit dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und SPÖ-Nationalratspräsidentin Doris Bures abgesagt, wäre es vor sechs Wochen in der Tat für Babler zu einen politisch lebensgefährlichen Showdown gekommen.
00:03:12: Kern hatte angesichts der bleiern schlechten Umfragewerte der SPÖ – und der noch schlechteren persönlichen Werte von Andreas Babler gute Chancen auf ein Comeback an der Parteispitze.
00:03:25: Erst in letzter Sekunde konnten die Parteigranden Ludwig und Bures die Notbremse ziehen, um einmal mehr folgenschweres Duell um die SPÖ-Spitze zu verhindern.
00:03:36: Die Achtzigprozent Zustimmung die Babel am Parteitag als alleiniger Kandidat bekommen hat bedeuten Nichtzuneigung.
00:03:44: Viele haben für ihn gestimmt, damit die Partei endlich zur Ruhe kommt und um ihm die Chance für einen Neustart einzuräumen.
00:03:51: Resumiert ein SPÖ-Präsidiumsmitglied und meint aber statt dafür zu sorgen dass jetzt wieder Ruhe in die Partie kommt und wir uns auf die Regierungsarbeit konzentrieren können hat Babler seine Staatssekretärin zu ihrer Kampfkandidatur auch noch öffentlich ermuntert.
00:04:08: Als Babler diesen Montag von Journalisten am Rande eines Medientermins mit der Nachricht ihrer Gegenkandidatur konfrontiert wurde, dementierte Babler zwar eilfertig eine persönliche Verwicklung in dieser Entscheidung überhäufte diese aber mit Lob.
00:04:24: Staatssekretärin Ulrike Königsberger Ludwig ist eine erfahrenen, integre und höchst engagierte Politikerin – ich halte viel von ihr und habe sie daher auch in mein Regierungsteam geholt!
00:04:37: In der SPÖ war es da längst ein offenes Geheimnis, dass Gesinnungsgenossen Bablers bereits heftig am Telefonieren waren um Delegierte für den NÖ-Parteitag auf den Sturz von Sven Hergowich und die Kür der Gegenkandidatin einzustimmen.
00:04:52: Besonders sauer auf die jüngste Wollte im roten Dauertrama reagierte Wiens SPÖ-Chef Michael Ludwig.
00:05:00: Der nach wie vor mächtigste rote Strippenzieher hatte die Kandidatur von Kern nicht primär aus Zuneigung zu Babler hintertrieben.
00:05:09: Den Pragmatiker trieb v.a.
00:05:10: eine Sorge um, hätte Kern mit seiner Kampfkandidatur gegen Babler ob siegt, wäre der Schauplatz des Machtrahmers über Nacht von der Parteizentrale in der Löwelstraße in die Regierungszentrale auf den Wiener Ballhausplatz verlagert worden Mit vielen offenen Fragen wie diesen, welches Ministerium übernimmt Kern?
00:05:31: und vor allem wie drückt er der Regierungsarbeit programmatisch seinen persönlichen Stempel auf?
00:05:37: In beiden Kardinalfragen wäre der neue SPÖ-Chef auf das Wohlwollen und die Zustimmung zu vorderster Kanzlerpartei angewiesen gewesen.
00:05:46: Das war angesichts des nach wie vor fragilen Zustands der ÖVP ein nicht abschätzbares Risiko gewesen, ließen enge Vertraute des Wiener Bürgermeisters damals wie heute wissen.
00:05:58: Michael Ludwig wollte in dem er Babler den Rücken stärkte, vor allem eine absehbare Regierungskrise verhindern.
00:06:06: Statt seine zweite Chance zu nutzen – so der Verärgerte befunden im SPÖ-Lager rund um das rote Wieneraathaus hätten Babler und Co.
00:06:15: eine Neuauflage des roten Infeids provoziert.
00:06:19: Königsberger Ludwig hatte bis dahin nicht nur im eigenen Lager einen durchaus guten Ruf, der ein Vierteljahrhundert regierende niederösterreichische Landesführst Erwin Pröll streut ihr auch Jahre nach seinem Abgang im kleinen Kreis noch Rosen ob.
00:06:33: ihres ausgeprägten Kooperationswillens Angesichts des ausgeprägten Machtwillens, das einst mächtigsten ÖVP Granden haben die Rosen wohl auch ein paar Dornen.
00:06:47: In Bablers Regierungsteam schaffte es Königsberger Ludwig freilich nur deshalb weil dieser erfolgreich verhindert hatte dass ihm Herr Gowig dort auch breit sichtbar Konkurrenz machen könnte.
00:06:59: Der siebenunddreißigjährige, der seit Jahren im breiten Parteikreisen als Nachwuchshoffnung für rote Toppositionen gilt war an sich als Infrastrukturminister gesetzt.
00:07:10: Mit der Kühe von Peter Hanke für diesen Job erledigte, der seit Juuso-Tagen geübte Taktierer Babler aber zwei Fliegen auf einen Schlag.
00:07:19: Er eröffnete Michael Ludwig, der sei dem plötzlichen Desaströsen sechs Milliarden Loch bei der Wien Energie vor vier Jahren den verantwortlichen Stadtrat Hanke auf der Abschussliste hatte die Chance, diesen Richtung Bundesregierung loszuwerden und durch seine engste Vertraute Barbara Nowak als Finanz- und Wirtschaftsstadträdin zu ersetzen.
00:07:41: Herr Gowich blieb Nolens Fohlenz auf den politisch überschaubar komfortablen Posten des niederösterreichischen Landesrats für kommunale Verwaltung und Baurecht, statt ihm wechselte Ulrike Königsberger Ludwig ins rot türkis pinke Kabinett.
00:07:56: Dort hadert er sie aber bald mit ihrem Schicksal, als SPÖ-Staatssekretärin einer ausgeprägt machtbewussten roten Sozialministerin unterstellt zu sein.
00:08:05: Die gelernte Gewerkschafterin Corinna Schumann sah und sieht es alles anderes als gerne wenn ihre Staatssekreterin auch nur den Versuch unternahm ein eigenständiges Profil zu entwickeln.
00:08:17: Die Uli war daher für den von der Wiener Löwelstraße orchestrierten Plan, den Babler-Kritiker Hergovich zu stürzen – sehr ansprechbar, sagt ein SPÖ Insider.
00:08:29: Der Putschplan drohte freilich schon an der E-Mailadresse zu scheitern.
00:08:33: Nachdem das Umsturzvorhaben vergangenes Wochenende vorzeitig wie Ermeldung der Wochenzeitung Nönn ruchbar geworden war, begann Königsberger Ludwig vergangenen Sonntag panisch an die rund einhundertzwanzig Mitglieder des roten NÖ-Parteivorstandsmails zu verschicken.
00:08:49: Warum sie sich für die bessere Parteichefin halte?
00:08:53: Weil sie dafür in der Eile ihren vielen nicht geläufigen privaten Account mit dem Absender Ulrike.Ludwig six acht nutzte, landete die Nachricht bei einigen anfangs ungelesen im Spam-Ordner.
00:09:07: Bei anderen – bei denen es die nachrichten den Eingangsordnerschafte erregte der Absender ob des Inhalts misstrauen dass sich dabei um eine Fake-Nachricht handeln könne.
00:09:18: Herr Gohich hat wegen der gescheiterten schwarz-roten Regierungsverhandlungen nach den NÖ Landtagswahlen vor drei Jahren und dem geplanten Absprung in die Bundesregierung zwar einigen Kredit in den lokalen SPÖ Funktionärskreisen verspielt.
00:09:33: Aber auch unter ihnen fürchterten nun viele, die folgen einer Neuauflage des Hauens & Stechens um die Parteiführung.
00:09:40: wie bei Babler und Doskuzil Anfang der Woche schalteten sich zudem auch breit angesehene Spitzenrote wie Nationalratspräsidentin Bueres als Vermittler in den drohenden neuen internen Grabenkrieg ein.
00:09:54: Ergebnis?
00:09:55: Drei Tage nach den ersten Werbemehlens für ihre Kandidatur, sagte Königsberger Ludwig Ihre Kandidatur wieder ab.
00:10:02: Sie ist rasch draufgekommen.
00:10:04: dass sie mit ihrem operetten Putzsch nur scheitern kann, sagt ein teilnehmender Beobachter.
00:10:10: Zurück bleibt nur sechs Wochen nach geschaffter Wiederwahl ein neuerlich schwer beschädigter Parteichef.
00:10:15: In den anderen Bundesländern wurde sehr genau registriert, Babler hat versucht zu putzen und ist gescheitert.
00:10:22: Resumiert ein SPÖ-Spitzmann?
00:10:24: Das hat das Misstrauen gegen Bablers Führungsqualitäten neu geschärft!